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Einladungswettbewerb | 11/2023

Wohnquartier Eduard-Schloemann-Straße in Düsseldorf

Perspektive Spielplatz

Perspektive Spielplatz

2. Preis / Nach Überarbeitung

LORBER PAUL Architektur und Städtebau

Stadtplanung / Städtebau

club L94

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Die Umnutzung der Kleingartenanlage im Düsseldorfer Stadtteil Düsseltal bietet die Chance, ein neues Quartier zu entwickeln, welches eine zeitgemäße und zukunftsfähige Ergänzung für den Ort bildet. Ziel ist es eine Verbindung zur vielfältigen Nachbarschaft zu ermöglichen, Wegbeziehungen zu stärken und ein integriertes und attraktives Wohnquartier zu schaffen. Das offene soziale Miteinander, generationsübergreifendes Leben, Identifikation mit der Nachbarschaft sowie nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen bilden den Ausgangspunkt der Konzeption.
STÄDTEBAU
Der städtebauliche Entwurf für das neue Wohnquartier an der Eduard-Schloemann-Straße zeichnet sich durch die kleinteilige, offene Bebauung aus, welche sich maßvoll in die umliegenden nachbarschaftlichen Strukturen eingliedert. Die straßenseitige Punkthaus-Struktur des nördlich angrenzenden Quartiers Düsseltal-ZOO eins wird entlang der Düssel fortgeführt und erzeugt somit ein ruhiges und klares Straßenbild. Ergänzt werden diese um weitere Punkt- und Riegel-Typologien sowie einen Lärmschutzriegel an der westlichen Grundstücksgrenze, der das Gebiet vor Gewerbelärm abschirmt.
Durch die Kleinteiligkeit der Gebäude kann eine hohe Nutzungsvielfalt sowie eine flexible und vielseitige Anordnung von Wohnungstypen und -größen ermöglicht werden, sodass die soziale Durchmischung des Gebiets gewährleistet ist. Wohnformen wie Cluster- oder Mehrgenerationenwohnen erlauben ein breites Spektrum an Individualität und Gemeinschaft im Quartier.
Die Wohnnutzung wird um kleine Einheiten an wohnverträglicher Nutzung erweitert. So befinden sich im zweigeschossigen Sockel des Lärmschutzriegels neben der Quartiersgarage auch Angebote wie beispielsweise Kiosk, Fahrradwerkstatt und Quartierstreff. Oberhalb übernimmt die Riegelform die Kleinteiligkeit des Quartiers und differenziert sich in 3 Punkthäuser. Vorgestellt zum Gewerbelärm wird ein Gerüst, das zum einen als Abschirmung dient, zum anderen aber auch Nutzungen wie Loggien oder in den gemeinschaftlichen Zwischenräumen vertical farming erlaubt. Im Süden des Quartiers erstreckt sich die Kita, welche durch die angrenzende Freifläche ermöglicht, den Großteil des Baumbestands zu erhalten.
Nicht nur in ihrer Setzung, auch in der differenzierten Höhenstaffelung, bilden die Gebäude einen maßvollen Übergang zur Nachbarbebauung. So staffeln sich die Gebäude von Nord nach Süd in die Höhe.
Sowohl an der Kreuzung Eduard-Schloemann-Straße/ Otto-Petersen-Straße, als auch im Übergang zum nord-westlich anschließenden neu geplanten Quartier auf dem DTAM-Gelände bilden sich Hochpunkte aus und markieren damit die Eingänge in das Quartier.
Um ein geringes Maß an Versiegelung und gleichermaßen eine angemessene Dichte zu ermöglichen, orientiert sich der Entwurf zwar an einem Allgemeinen Wohngebiet, übersteigt jedoch den Dichtewert, um eine zukunftsfähige und den Bedürfnissen gerechte städtebauliche Antwort zu geben.
Die durchgrünten und aufgelockerten Baustrukturen schaffen nicht nur in ihrer Form, sondern auch in ihrer Setzung einen geeigneten Übergang zur Umgebung. Das zwischen ihnen entstehende Wegenetz schließt an den übergeordneten Radweg an und vernetzt diesen von Nord nach Süd. Zudem wird der Rad- und Fußweg entlang der Düssel erweitert und im direkten Übergang in das Quartier geführt. Durch die Anordnung der Baukörper und der Freiflächen wird der Erhalt der natürlichen Frischluftschneisen berücksichtigt.
Entlang dieser Haupterschließungsachsen bilden sich, umschlossen und gefasst durch die städtebauliche Setzung, drei differenzierte Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität.
FREIRAUM
Der Düsselplatz, der zentrale Spielplatz sowie der Bürgergarten bilden die gemeinschaftlich nutzbaren Freiräume, dienen als Orte der Begegnung und sozialer Mittelpunkt für die Bewohner*Innen des neuen Quartiers. Der Düsselplatz, der sich zur Düssel öffnet und den besonderen Landschaftsraum räumlich näher an das Quartier heranrückt, wird mit Nutzungen, wie der Außengastronomie des Cafés und des Restaurants, mit einem Wasserspiel und Aufenthaltsmöglichkeiten bespielt und bildet den urbanen Schwerpunkt des Quartiers. Baumüberstanden und mit Staudenpflanzungen bestückt ist er auch ein repräsentativer Auftakt in das neue Wohngebiet. Der zentrale Spielplatz für Kleinkinder ist von allen Wohnungen gut erreichbar, liegt geschützt zwischen den Baukörpern und weit entfernt von motorisierten Verkehren. In direkter Nähe zum Quartierstreff entsteht der Bürgergarten, der den zukünftigen Bewohner*Innen des Quartiers die Möglichkeit gibt gärtnerisch tätig zu werden und eigene Lebensmittel anzubauen. Die nötige Infrastruktur, wie Wasseranschlüsse und Lagerräume werden im angrenzenden Riegelgebäude verortet. Der Bürgergarten dient als identitätsstiftendes Freiraumelement, das gleichzeitig als Hommage an die frühere Nutzung des Geländes als Kleingartenanlage zu verstehen ist.
Das gesamte Plangebiet wird mit Fußwegen durchzogen und kann so optimal mit der Umgebung und den ankommenden Wegeverbindungen verknüpft werden. An den Ankunftspunkten am Rande des Quartiers und an den Kreuzungen im Inneren entstehen kleine Nischen mit Sitzbänken als Treffpunkte und Rückzugsorte. Die süd-westliche Nord-Süd-Verbindung wird zusätzlich für Fahrradfahrende freigegeben und bindet so an den Fuß- und Radweg im nördlich angrenzenden Wohnquartier „Düsseltal ZOO“ sowie die Eduard-Schloemann-Straße an.
Die Wohngebäude erhalten eine Vorzone mit Stauden- und Gräserpflanzungen, die als Puffer zwischen Erdgeschosswohnungen und öffentlichen Wegebeziehungen dienen. An den Gebäudezugängen werden Fahrradbügel für Besucher*Innen angeboten. Rückwärtig erhalten die Wohnungen im EG eigene Gärten, die mit Heckenpflanzungen eingefriedet sind.
Die Kita erhält einen großzügigen eingefriedeten Außenbereich. Die Böschung zu den tiefer liegenden Bestandsgehölzen wird spielerisch in die Gestaltung integriert.
MOBILITÄT
Um einer großmaßstäblichen Unterbauung durch eine Tiefgarage entgegen zu wirken und um eine Möglichkeit für zukünftige Umnutzbarkeit zu gewährleisten werden ca. die Hälfte der KFZ-Stellplätze oberirdisch in einer Quartiersgarage untergebracht. Auch ein Großteil der Fahrradstellplätze wird in Parksystemen witterungs- und diebstahlgeschützt in der Quartiersgarage aufgenommen. Die Nutzung von überwiegend Parkmöglichkeiten über die gesamte Länge des Riegels gibt eine adäquate Antwort auf die Problematik der Gewerbelärmbelastung.
Das Quartier ist nahezu autofrei geplant, um eine hohe Aufenthaltsqualität für die Bewohner*innen zu ermöglichen, lediglich für Müllfahrzeuge sowie Fahrzeuge der Feuerwehr sollten das Gebiet auf kurzen Wegen durchqueren. Um Lieferverkehre abzufangen, liegt erdgeschossig im Riegel ein kleines Logistik Zentrum.
ENTWÄSSERUNG
Um die Gefahr von Überflutung bei Starkregenereignissen zu minimieren wird das gesamte Gebiet aufgeschüttet und auf Straßenniveau gebracht.
Zur Entwässerung des Quartiers sollen zukünftig Zisternen, Rigolen oder Rückstaukanäle verwendet werden. Diese werden unterhalb des Bürgergartens sowie des Düsselplatzes verortet. Hier kann das anfallende Regenwasser, das über herkömmliche Rinnen und Abläufe entwässert wird, gesammelt und zur Weiterverwendung bspw. als Nutzwasser im Bürgergarten oder zur Bewässerung der Freianlagen zur Verfügung gestellt werden. Überschüssiges Regenwasser wird verzögert an den Kanal weitergegeben.
Während Starkregenereignissen wird das Wasser in Mulden zurückgehalten und verzögert entwässert. Entsprechende Mulden werden im rückwärtigen Bereich des Lärmschutzriegels, im südlichen Außenbereich der Kita sowie auf der gesamten, zentralen Spielplatzfläche hergestellt.

Beurteilung durch das Preisgericht

Eine Abfolge von drei öffentlich zugänglichen Plätzen strukturiert das neue Wohnquartier auf angenehme Weise. Die dadurch entstehenden „vielfältigen Nachbarschaften“ umstehen diese Plätze in angemessener Höhe, leider werden die Gebäude nur teilweise vom jeweiligen Bezugsplatz erschlossen.
Die beschriebene Vielfältigkeit wird eingeschränkt durch eine eher einheitliche Gebäudekonzeption, die große Gebäudetiefen (bis 19 m) und überwiegend hohe Gebäude (bis IV-VI) vorschlägt. Sinnvoll ist daher die vorgeschlagene Staffelung der Baukörper, die die großen Baumassen „aufbricht“. Die großen Baukörper bedingen an vielen Stellen innenliegende Erschließungen, die im geförderten Wohnungsbau nicht vorgesehen sind. Die hohe Dichte mit dargestellten 224 WE bietet voraussichtlich Spielraum für notwendige Anpassungen.
Vorteil der kompakten, hohen Baumasse sind die flächenmäßig umfänglichen privaten Gärten und die angenehm differenzierten Quartiersplätze. Die vorgeschlagenen Raumbilder: Bürgergarten, Spielplatz und Düsselplatz versprechen Identität, gute Aufenthaltsqualitäten und klimaregulierende Wirkung.
Das Gremium diskutiert die Sinnhaftigkeit des vorgeschlagenen Düsselplatzes kontrovers. Einerseits ist der Versuch der Verbindung und Adressbildung zur Düssel sehr nachvollziehbar, jedoch wird die Aufenthaltsqualität in unmittelbarer Nachbarschaft zur Otto-Petersen-Straße infrage gestellt.
Die PKW-Stellplätze sind jeweils hälftig in einer TG und einer 2-geschossigen Hochgarage untergebracht. Die Zufahrt zur TG über die Hochgarage wirkt unklar, die große Versiegelung der breiten TG ist klimatisch ungünstig für den Bürgerplatz. Der lange westliche Gebäuderiegel schafft zwar einen guten Lärmschutz, den deutlichen Geländeversprung berücksichtigt die Arbeit bislang nicht. Die bauliche Schallschutzlösung mit verglasten Laubengängen ist möglich, aber aufwendig.
Die Lage der KiTa ermöglicht eine große, süd-ost ausgerichtete Freifläche. Fußläufig und für RadfahrerInnen liegt die KiTa passend an der Nord-Süd-Wegevernetzung. Kontrovers wird der lange Weg von Stellplätzen zum KiTa-Eingang diskutiert.

Dem Entwurf gelingt es, ein gut gestaffeltes Freiraumkonzept zu entwickeln, das plausibel in öffentliche, halböffentliche und private Freiraumtypologien gegliedert ist. Die städtebauliche Konfiguration der Baukörper schafft einen Dreiklang aus differenzierten quartiersnahen Freiräumen, vom Düsselplatz im Osten über den zentralen Spielplatz zum Bürgergarten mit der südlich angebundenen KiTa. Die drei Plätze sind im Sinne der Klimaanpassung als Speicherraum für das Regenwasser konzipiert.
Die Umsetzbarkeit der in den Innenhöfen dargestellten Grünqualitäten wird aufgrund der Anforderungen der inneren Erschließung wie beispielsweise der Feuerwehr hinterfragt. Die Grundidee des gemeinsamen identitätsstiftenden Bürgergartens für die BewohnerInnen des Quartiers an dieser Stelle wird positiv bewertet. Die Unterbauung durch die Tiefgarage wird die vorgesehene Begrünung mit großen Gehölzen in Teilen einschränken.
Die Freiflächen der KiTa sind ausreichend dimensioniert und bilden im Süden im Zusammenspiel mit den Platanen einen angemessenen grünräumlichen Abschluss des Quartiers. Die Wegeverbindungen bilden ein schlüssiges Netz und binden das Quartier Düsseltal-Zoo eins im Norden gut an. Die konzipierte Nutzbarkeit der Dachflächen als Dachgärten sowie die Integration von Fassadenbegrünung wird begrüßt.

Insgesamt stellt die Arbeit ein spannendes, städtebauliches und freiräumliches Grundgerüst zur Verfügung, das eine ausreichende Flexibilität in den weiteren Konkretisierungsphasen sicherstellt. Das eher städtische Raumbild entspricht den gewünschten Ansprüchen an ein klimagerechtes, sozial gemischtes Quartier von hoher Wohnqualität.
Perspektive Bürgergarten

Perspektive Bürgergarten

Lageplan

Lageplan