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  • DE-72764 Reutlingen
  • 12/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-96139)

Mehrfachbeauftragung City Nord


  • 1. Rang


    Stadtplaner
    Trojan + Trojan | Architekten + Städtebauer BDA DASL, Darmstadt (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Klaus Trojan , Verena Trojan

    Mitarbeit
    Carl Wilkens, Volker Ihm, Moritz Mücke

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: Pirker + Pfeiffer Ingenieure GmbH & Co. KG, Münsingen (DE)
    Landschaftsarchitekten: WGF Nürnberg, Nürnberg (DE)

    Erläuterungstext
    ERLÄUTERUNGEN

    Leitgedanke für die Neuordnung der City Nord ist, die heute heterogenen Stadtgebiete beidseits der Bahn strukturell und funktional zu einem Altstadt und Oststadt ergänzenden Citygebiet zu entwickeln und darüber hinaus auch die zwischen Echaz, Bahn und B28 gelegene Nordstadt mit ihren Gemengelagen morphologisch zu einem urbanen Gesamtorganismus zusammenwachsen zu lassen.
    Bei Wahrung und Weiterentwicklung des bestehenden Stadtgefüges gliedert sich die City Nord entsprechend ihrer historischen Entwicklung in ablesbare Quartiere mit jeweils eigenem, auf die Kernstadt abgestimmtem urbanen Profil:

    - Das Lindenquartier – ehemals auf Friedhof und Hospital ausgerichtete nördliche Vorstadt – als ein das Zentrum ergänzendes Mischquartier, in dem die Straße Unter den Linden zur erweiterten Fußgängerzone wird.
    - Das lineare Zollquartier beidseits der Burkhardt-und-Weber-Straße als Standort für Serviceeinrichtungen der Bahn, Dienstleistungen und Arbeitsplätzen, ergänzt durch Wohnen in den Randlagen des Friedhofs.
    - Das vitale Bahnhofsquartier als ÖPNV-Fokus, ergänzt durch zentral-örtliche Funktionen, Arbeitsplätze sowie urbanes Wohnen und nutzungsflexible Bausteine.

    CITY NORD ALS GRÜNER STADTTEIL

    Im Gegensatz zur dichten steinernen Altstadt mit ihrer engmaschigen Struktur und in Anlehnung an die gründerzeitlich offenere Oststadt wird die City Nord als ein urbanes und zugleich grünes Stadtgebiet definiert. Stadtbildprägend und raumbildend sind Topografie und Vegetation der renaturierten Echazterrassen mit dem das Franz.K einrahmenden Stadtgarten als Westrand der City Nord und die erweiterte Listanlage als grünes Gelenk vom Bahnhof zur Innenstadt, ebenso die nach der Verkehrsentlastung zum städtischen Boulevard umgestaltete Karlstraße als grüne Nahtstelle zwischen den Stadtteilen. Darüber hinaus prägen bahn-, straßen- und wegbegleitende Baumreihen als grüne Korridore zusammen mit Quartiersplätzen und Blockinnenbereiche als „Grüne Zimmer“ den spezifischen Charakter der City Nord. Landschaftlicher Rahmen ist der weitläufige Friedhof, dessen grüner Saum auch die Vernetzung zur Echaz und zum durchgehenden Radwegenetzt herstellt.

    LINDENQUARTIER

    Räumliches und funktionales Rückgrat des Quartiers ist die Straße Unter den Linden, die in Fortsetzung der Wilhelmstraße bis zur Gutenbergstraße als Fußgängerzone weitergeführt wird. Platzartige Aufweitungen beidseits der Bahnunterführung und ein öffentlicher Garten um das Franz.K geben der frequentierten Wegeverbindung Atmosphäre und Aufenthaltsqualität.

    Die straßenbegleitende um Höfe gruppierte Baustruktur, die bestehende Bausteine wie das Postgebäude einbeziehen kann, erlaubt eine urbane Mischnutzung, d.h. einen nutzungsflexiblen Sockel für Dienstleistungen und Einzelhandel, in den Obergeschossen – je nach Standort – Büros oder Wohnungen und das Unterparken mit Tiefgaragen.

    Parallel zur Raumfolge von Wilhelmstraße und Lindenstraße entsteht entlang der renaturierten Echaz eine landschaftsbetonte Wegeverbindung, die bestehende Kultureinrichtungen von Bibliothek, Stadthalle,


    Kunstverein und Franz.K einbindet und somit zur „Grünen Kulturpromenade“ wird. Zur Gutenbergstraße orientiert bilden die neuen Echazterrassen, die neben Aufenthalts- und Erholungsflächen auch Freiräume
    für kulturelle Aktivitäten von Franz.K und Kunstverein bieten, den westlichen Stadteingang der City Nord.

    Anstelle des heute eingeschossigen großflächigen Fachmarkts Ecke Burkhardt-und-Weber-Straße / Lindenstraße entsteht eine dem Hofprinzip folgend neue Geschäfts-, Büro- und Wohnbebauung, die maßstäblich zwischen den benachbarten kleinteiligen Bestandsstrukturen und den Neubauten an der Bahn (Parkhaus) vermittelt. Für die im Norden angrenzende historische Baustruktur werden Erweiterungs- und Neubaumöglichkeiten für eine dem Standort angemessene intensivere Mischnutzung aufgezeigt.
    Im Mündungsdreieck der Straße Unter den Linden mit der Gutenbergstraße stellt ein markanter skulpturaler Baustein (z.B. neuer Standort für das bestehende Hotel) den Auftakt des nördlichen Quartierseingangs dar.

    ZOLLQUARTIER

    Das Zollquartier – Namensgeber sind die renovierten Zollbauten an der Bahn – wird entlang der Burkhardt-und-Weber-Straße mit unterschiedlichen Bau- und Freiraumstrukturen weiterentwickelt. Mit flankierenden Neubauten beidseits der Zollhallen und der strukturellen Neuordnung des bisherigen Gärtnereigeländes erhält der westliche Bahnhofsvorplatz als Zugang zu den Bahngleisen und Bindeglied zur Kernstadt eine räumlich-urbane Fassung. Auch die weiteren Bahnrandflächen können in aufgelockerter Bauweise mit repräsentativen, die Kernstadt ergänzenden Büros und Dienstleistungen besetzt werden.

    Im Nordwesten der Burkhardt-und-Weber-Straße entsteht in Anlehnung an die vorhandene Wohnbebauung ein kleines Mischquartier, dessen räumliche Struktur zu den neu zu ordnenden Gewerbe- und Mischgebieten nördlich der Sankt-Peter-Straße überleitet.
    In Verlängerung der Bismarckstraße wird das Zollquartier über eine zweite Bahnunterführungen für Fußgänger und Radwege mit dem Bahnhofsquartier verknüpft. Darüber hinaus kann diese Wegeverbindung über das Burkhardt-und-Weber-Gelände unter der B28 hindurch bis zum Albert-Einstein-Gymnasium und der Eissporthalle weitergeführt werden.

    BAHNHOFSVIERTEL

    Mit der Konzentration von Bahn, ZOB, Regionalbus und Stadtbahn entwickelt sich auf den heute unbebauten städtischen Randgrundstücken der Bahnhofstraße ein hocheffizienter, in die Region ausstrahlender ÖPNV-Knotenpunkt.

    Die verlängerte Kaiserstraße und der neue Kronprinzenplatz (bisher Haltestelle der Regionalbusse) werden die neue Bahnhofs- und ZOB-Vorfahrt. Mit der Führung der Regionalstadtbahn über die Nordseite des Listplatzes zur Haltestelle mit direktem Bezug zu Bahngleisen und ZOB wird der Listplatz vom Individualverkehr befreit und erscheint mit seinem Baumbestand als einladendes Bahnhofsvorfeld und grünes Raumgelenk zur Altstadt, belebt durch begleitende Straßencafés und Außengastronomie.

    Der neue ZOB erhält mit der zeichenhaften Mobilitätszentrale, die sowohl auf den Bahnhofsvorplatz wie auch zur Karlstraße ausgerichtet ist, eine orientierungs- und stadtbildwirksame Positionierung. Mit 4 parallel angeordneten Halbebereichen für jeweils 5 Busse ist der ZOB so organisiert, dass 20 Busse zeitgleich und unabhängig voneinander an- und abfahren können.

    Die entsprechend Geländekontur konisch zugeschnittene Anlage des Busbahnhofs gliedert sich in einen mittigen, langgestreckten überdachten Wartebereich, der z.B. den Stadtbussen vorbehalten sein kann
    sowie zwei flankierenden Seitenbussteigen, deren von Bäumen gegliederte Struktur der weitläufigen Verkehrsanlage ebenfalls eine grüne Einbindung gibt. Darüber hinaus können die Dachflächen von Mobilitätszentrale und ZOB Träger energetischer Elemente sein. Ein zusätzlicher Wartebereich mit Versorgungsstation für die Busfahrer liegt auf dem unmittelbar angrenzenden nördlichen Bahnrandgrundstück. Die Regionalbahn verläuft parallel zum ZOB straßenbegleitend im begrünten Gleisbett.


    Die beiden nördlichen Baufelder zwischen Karlstraße und Bahnhofstraße können partiell durch neue Baustrukturen ergänzt bzw. arrondiert werden und weisen mit grünen, halböffentlichen Innenbereichen
    eine für Arbeiten und innerstädtisches Wohnen attraktive Umfeldqualität auf. Motiv für ein sukzessives Auswechseln der feinmaßstäblichen, heute jedoch nur noch eingeschränkt leistungs- und sanierungsfähigen Nachkriegsbebauung (Wohnzeilen) ist die Urbanisierung des Quartiers mit nutzungsflexiblen Bausteinen für Versorgung, Arbeiten und Wohnen, die anstelle oberirdischer Parkierungsflächen von Tiefgaragen unterfangen werden und damit eine durchgehende Begrünung der Innenbereiche ermöglichen würden.

    FRIEDHOF UND NORDSTADTQUARTIERE OBERHALB DER SANKT-PETER-STRASSE

    Der die City Nord begrenzende Friedhof – Grüne Lunge der nördlichen Stadtgebiete – kann im Süden bei Auflassung der Gärtnerei geringfügig erweitert werden und entlang der Friedhofsmauern einen begleitenden grünen Saum erhalten, der sowohl Wohnfolgeeinrichtungen wie auch durchgehende Fuß- und Radwege aufnimmt. Die Baugebiete an der Sankt-Peter-Straße können von den Friedhof tangierenden und traversierenden Wegverbindungen an Bahnhofsquartier, Lindenquartier sowie über den Echazgrünzug an die Innenstadt angebunden werden.

    Während für die heutigen Gewerbeflächen östlich der Jakobstraße langfristig eine Entwicklung zu einem Mischgebiet mit Wohnanteil denkbar ist, wird für das östliche Burkhardt-und-Weber-Gelände eine Entwicklung zu einem Technologiezentrum vorgeschlagen, mit der an der B28 und Einfahrt zur City Nord ein imagewirksamer Stadtprospekt entsteht.

    KARLSTRASSE ALS STADTBOULEVARD

    Voraussetzung für die Verkehrsentlastung der Karlstraße ist die Inbetriebnahme des Scheibengipfeltunnels und ein neuer Anschluss der Burkhardt-und-Weber-Straße an die Gutenbergstraße. Demzufolge kann die Karlstraße auf 4 Spuren zurückgebaut werden und von breiten, baumbestandenen Bürgersteigen mit Radwegen flankiert und einem grünen mit Kunstobjekten besetzten Mittelstreifen (Skulpturen, Lichtobjekte) den Charakter eines innerstädtischen Boulevards erhalten. Begleitende Vorplätze und Grünanlagen rhythmisieren den langgezogenen Stadtraum zu beiden Seiten, geben ihm trotz noch verbleibender Verkehrsfunktion Aufenthalts- und Flanierqualität, bilden repräsentative Entrées zu den angrenzenden Quartieren wie zu den öffentlichen, frequentierten Einrichtungen (Bahnhof, ZOB, Kunstmagazin, Berufsschule, etc.).

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.