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  • DE-44777 Bochum
  • 05/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-99510)

Musikzentrum im ViktoriaQuartierBochum


  • 3. Preis


    Architekten
    HASCHER JEHLE Architektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Kathleen Behrendt, Johannes Raible, Anne Schäfer, Christian Speelmanns

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: wh-p Ingenieure, Stuttgart (DE), Basel (CH), Berlin (DE)
    TGA-Fachplaner: INNIUS RR GmbH, Rosbach v.d.H (DE)
    Akustikplaner: Akustik-Ingenieurbüro Moll GmbH, Berlin (DE), Hamburg (DE)

    Preisgeld
    25.000 EUR

    Erläuterungstext
    Musikzentrum Bochum

    STÄDTEBAULICHE EINBINDUNG
    Kirche und Konzertsaal heben sich als Solitäre auf dem Marienplatz hervor. Das gemeinsame verbindende Element des Foyers umspielt dabei den neuen Konzertsaal und schafft einen Raum zwischen Kirche und Konzerthaus. Die bisher undefinierte Stadtbrache des Marienplatzes erhält so eine adäquate städtebauliche Fassung und kann nun als Marien-“Platz“ tatsächlich wirken.

    Die südliche Begrenzung des Marienplatzes (Brandwand) wird durch einen Neubau aufgewertet und räumlich klar gefasst. Der durch die städtebauliche Arrondierung der südlich gelegenen Gebäudestruktur geschaffene Neubau könnte das Musikzentrum ergänzende Nutzungen, wie zum Beispiel Räume für die Musikschule Bochum, Workshop-, Seminar-, Konferenzräume und die Konzerthausverwaltung aufnehmen. Alternativ wäre auch eine kommerzielle Nutzung (Büro, Wohnen, Gewerbe, Gastronomie) zur Gegenfinanzierung der Neubaumaßnahmen denkbar.
    Der Entwurf lässt durch seine schonende, mäandrierende Gebäudeform die weitestgehende Erhaltung des vorgefundenen Baumbestandes zu.


    NEUER MARIENPLATZ
    Konzertsaal und Foyer bilden zusammen mit der bestehenden Marienkirche einen gemeinsamen Vorplatz aus. Eine leicht ansteigende Freitreppe empfängt die Besucher und führt sie niveaugleich in die einzelnen Veranstaltungsräume.
    Der neue Marienplatz schafft eine Aufenthaltsqualität für Konzertbesucher, Bochumer und Spaziergänger. So dient der Platz sowohl als Außenbereich des Foyers, durch seine leichte Anhebung aber auch als Treffpunkt und Ruhezone an der stark befahrenen Viktoriastraße.
    Am ehemaligen Haupteingang westlich der Marienkirche entsteht ein kleinerer, geschützter Platz, der im Sommer für Open-Air-Veranstaltungen genutzt werden kann. Durch die gläserne Fassade des
    Foyerkörpers bleibt dabei immer eine Sichtbeziehung zwischen beiden Plätzen gegeben.


    ERSCHLIESSUNG
    Die durch das Gebäudeensemble gebildeten Vorplätze definieren gleichzeitig die Eingangssituationen. Der Haupteingang ist von dem größeren, östlich gelegenen Platz an der Viktoriastraße aus erreichbar. Von der Humboldtstraße aus ist ein Nebeneingang über den kleineren
    Open-Air-Platz zum gemeinsamen Foyer geplant.
    Künstlereingang und Anlieferung befinden sich auf der etwas tiefer gelegenen Westseite an der Humboldtstraße.
    Große Teile des Foyers und des Konzertsaals sowie die Marienkirche befinden sich auf dem selben Höhenniveau. Das Foyer umfließt den Konzertsaal und begleitet die innere Höhenentwicklung des Saales. An der Viktoriastraße öffnet und präsentiert sich der Neubau mit dem umlaufenden Foyer zur Stadt. Es entstehen vielfältige Blickbeziehungen zwischen Innen und Außen. Der Entwurf vermittelt einen offenen einladenden Eindruck - das Gebäude wird von außen als offenes Haus wahrgenommen. Das Foyer wird das Fenster zur Stadt.
    Durch den südlichen Neubau entsteht entlang des Konzerthauses eine befahrbare Privatstraße, die sowohl vom Anlieferverkehr des Neubaus als auch von der Feuerwehr genutzt werden kann.

    Zusammen mit der Humboldtstraße im Westen, der Viktoriastraße im Osten und der oberhalb der Kirche gelegenen Marienplatz-Straße ergibt sich eine großzügige Feuerwehrumfahrung für das Musikzentrum.


    SYNERGIE KONZERTHAUS - MARIENKIRCHE
    Foyer und Backstagebereich werden zwischen dem neuen Konzertsaal und dem Multifunktionsraum
    platziert. So sind beide Bereiche sowohl für den großen Konzertsaal als auch für den Multifunktionssaal auf kurzem Wege erreichbar. Durch die Nutzung und Reaktivierung eines kurzen Teilstücks des vorhandenen Stollensystems kann der Chor der Marienkirche direkt an den Backstagebereich (inkl. Chorumkleiden) angeschlossen werden. Die Verbindung zwischen den beiden Sälen erfolgt für Besucher und Künstler getrennt auf unterschiedlichen Geschossen.


    MULTIFUNKTIONSSAAL
    Die Marienkirche wird zum Multifunktionssaal umgenutzt. Um adäquate akustische Verhältnisse für die unterschiedlichen musikalischen Darbietungen zu schaffen, wird ein flexibles Trennwandsystem vorgesehen. Auf diese Art lässt sich das große Innenraumvolumen der Kirche äußerst flexibel auf den jeweiligen Bedarf anpassen. Eine Bespielbarkeit für 70 bis maximal 500 Zuhörer ist mit diesem System realisierbar. Hierdurch ergibt sich noch ein viel weiteres Spektrum an Nutzungen und eine viel höhere Flexibilität als vom Auslober bisher angedacht. Um die Wirkung des Kirchenraumes so wenig wie möglich zu beeinträchtigen sind die Trennwände als hohe, großformatige Glaslamellen vorgesehen. Die vorgefundene Vertikalität des Innenraumes wird hiermit zusätzlich unterstrichen. Die Gläser erhalten eine leichte Färbung und nehmen das Motiv der Kirchenfenster auf. Von der Decke werden flexibel verfahrbare Akustiksegel abgehängt, um das Raumvolumen nach oben hin zu begrenzen und die gewünschten Nachhallzeiten zu erreichen.


    VERWALTUNG
    Für die Verwaltung werden drei Varianten angeboten.
    Um eine direkte Verbindung der Symphoniker mit ihrer Verwaltung zu gewährleisten, könnten die Räumlichkeiten in die Dachlandschaft oberhalb der Nebenräume des Musikzentrums integriert werden. Entsprechend müsste die Dachlandschaft angehoben und geformt werden. Dies böte der Verwaltung die Möglichkeit von Blickbeziehungen in das Foyer.
    Als wohl schönste, und auch räumlich nahe Variante, wird der Ausbau des Kirchendachstuhls vorgeschlagen. Die Erschließung könnte über ein eingefügtes Treppenhaus im Kirchturm erfolgen. Die Verwaltung säße so in unmittelbarer Nähe, gleichwohl aber „über den Dingen“ mit einem traumhaften Blick auf den neuen Konzertsaal.
    Als dritte Variante wird die Nutzung des südlichen Neubaus angedacht. Um trotz der getrennten Gebäude eine räumliche Verbindung zu schaffen, könnten die Häuser im Bereich der Hinterbühne unterirdisch angebunden werden. Auch hier bietet sich der Verwaltung ein direkter Blick auf den Konzertsaalneubau.


    FASSADE
    Die Marienkirche wird mit dem Konzertsaal um einen weiteren Solitär ergänzt. Kirche und Konzertsaal bilden zusammen ein städtebauliches Ensemble und eine architektonische Einheit. Die Marienkirche behält dabei ihr Äußeres und Inneres Erscheinungsbild weitgehend bei. Der Konzerthauskörper erhält eine gefaltete, vertikale Fassade aus dunklen, reliefartigen Basaltelementen. Die Vertikalität der Fassade spiegelt dabei die Strebepfeiler der Kirche, das Aufstreben des Kirchturms und deren großformatige Fenster wider. Der neue Marienplatz erhält so ein gegliedertes Auf und Ab – Konzerthauskörper, flaches verbindendes Foyer, Kirche.

    Das gläserne Foyer steht auf einem schlichten Sichtbetonsockel, auch das gefaltete, umlaufende Dach hebt sich mit einer vorgeblendeten Sichtbetonkante vom Konzerthauskörper ab.


    INNENRAUM MUSIKZENTRUM BOCHUM
    Ähnlich der Foyerfassade ist auch das Innere des Foyers in schlichter Formensprache gehalten. Garderobe und Pausengastronomie, sowie die Treppenstufen im Foyer, werden als hochwertige Holzeinbauten konzipiert. Der Fußboden des Foyerbereiches erhält einen hellen, fein geschliffenen Fliesestrich, der die Leichtigkeit des eingeschossigen Foyerbaues unterstützt.
    Der Konzertsaal nimmt das äußere Thema der gefalteten Vertikalität auf und nutzt sie als akustische
    Elemente. Auch diese sekundären Akustikelemente werden in einem dunklen, ansprechenden Farbton ausgeführt, so dass der Fokus des Betrachters auf der hellerleuchteten Bühne und ihren Protagonisten liegt. Als Kontrast zu den dunklen Außenwänden erhalten die Balustraden einen goldig-schimmernden Ton, der die hochwertige Klangqualität und Architektur des Konzertsaales hervorhebt.


    AKUSTK

    GROSSER SAAL
    Der Entwurf für den Konzertsaal weißt optimale akustische Bedingungen für den angestrebten Zweck als Spiel- und Probestätte der Bochumer Symphoniker auf.


    RAUMVOLUMEN UND PRIMÄRFORM
    Das ausreichend große Raumvolumen ist Voraussetzung für die angestrebte Nachhallzeit in einem Konzertsaal, da sich die Absorption des Publikums maßgeblich auf die Nachhallzeit auswirkt. Bei einem für den angestrebten Nutzungszweck zu großen Raumvolumen und damit einer zunächst zu langen Nachhallzeit besteht zwar die Möglichkeit die Nachhallzeit durch absorbierende Flächen zu reduzieren, hierbei besteht jedoch die Gefahr, dass die für die gewünschten frühen Erstreflexionen benötigten Flächen deutlich reduziert werden. Bei einem geeigneten Raumvolumen – was bei sinfonischer Musik bei 10 bis 12m³/Platz liegt – werden zum Erreichen der gewünschten Nachhallzeit von ca. 1,8 bis 2,1 s kaum breitbandig absorbierende Flächen benötigt. Der vorliegende Saalentwurf hat ein Volumen von ca. 12.600m³ und erreicht somit bei einer Besetzung von 1.050 Personen, einschließlich Orchester/Chor, eine für sinfonische Nutzung optimale Volumenkennzahl von 12m³ pro Platz.

    Als Primärform wurde eine längliche, annährend rechteckige Grundrissform mit leicht abgewinkelten Längs- und Stirnwänden gewählt. Das Publikum gruppiert sich in mehreren terrassenförmig ansteigenden und gegeneinander versetzten Rängen (Annährung an das „Weinbergprinzip“) um die Bühne herum, wobei jedoch noch eine klare Hauptausrichtung zu erkennen ist. Das Orchester rückt bei diesem Entwurf näher ins Zentrum des Geschehens, wodurch eine größere Nähe und damit eine intimere Beziehung zwischen Publikum und Vortragenden entsteht. Durch die unterschiedlich im Raum angeordneten Ränge besteht die Möglichkeit, besonders bei modernen Kompositionen (Karl-Heinz Stockhausen, Luigi Nono, John Cage etc.), einzelne Musiker, Musikergruppen oder bei Kompositionen mit Live-Elektronik Lautsprecher im gesamten Raum zu platzieren, wodurch eine noch größere Klangvielfalt und Intimität zwischen Zuhörer und Orchester entsteht.

    Mit einer Abmessung von 19 bis 23m (20m im Bühnenbereich) in der Breite, 36m bis 40m in der Länge und 14 bis 17m in der Höhe und den seitlichen „Zwischenwänden“ der terrassenförmigen Ränge ist eine optimale Versorgung aller Plätze mit frühen, energiereichen Erstreflexionen und eine gleichmäßige Schallverteilung im Raum sichergestellt. Die Abmessungen entsprechen demnach auch den Vorgaben der Auslober.

    Die terrassenförmig ansteigenden Ränge und das ansteigende Gestühl innerhalb des Parketts und der Ränge stellen eine gute Sichtverbindung von jedem Platz zur Bühne und damit auch gute Hörbedingungen sicher.

    Das gegenseitige Hören ist unverzichtbar für ein optimales Zusammenspiel der Orchester-/ Chormitglieder und des Dirigenten und damit auch Grundvoraussetzung für gute Musikdarbietungen. Um dies zu erreichen sind im Entwurf folgende schallreflektierende Flächen im Nahbereich der Bühne vorgesehen, welche die Musiker mit energiereichen Erstreflexionen versorgen und damit das Zusammenspiel fördern:

    - reflektierende Flächen seitlich und hinter den Musikern mit einer Höhe von ca. 2,6m,
    Entfernung von Bühnenmitte ca. 7m bis 9m
    - einzelne konvex gebogenen Deckensegel in einer Höhe von ca. 10m über der Bühne
    (Höhe und Neigung können bei Bedarf variabel eingestellt werden)
    SEKUNDÄRSTRUKTUR UND BESTUHLUNG
    Neben der Nachhallzeit, ist die Diffusität eines der wichtigsten raumakustische Parameter. Sie ist mitverantwortlich für eine gleichmäßige Schallverteilung und den Raumeindruck.

    Der Entwurf sieht eine vertikale Gliederung der Wandoberflächen und eine Strukturierung der Decke vor, die eine hohe Diffusität erwarten lassen. Teile der Wandflächen sind als Tiefenabsorber aus unterschiedlich dicken Holzwerkstoff- oder Gipskartonplatten mit einer Seitenlänge von > 1m geplant. Diese Plattenschwinger wirken im mittleren und oberen Frequenzbereich reflektierend und absorbieren den Schall im unteren Frequenzbereich. Für eine breitbandigere Absorption werden die Platten fein gelocht oder geschlitzt ausgebildet. Aufgrund der optimalen Volumenkennzahl werden zum Erreichen der gewünschten Nachhallzeit jedoch nur sehr wenige Wandflächen breitbandig absorbierend ausgeführt und deren Anordnung mit den gewünschten Seitenreflexionen abgestimmt.
    Teile der Wandflächen stehen darüber hinaus für flexible Akustikelemente zur Verfügung, mit denen eine Nachhallzeitspreizung erreicht werden kann. Die Elemente können schwenk- oder klappbar ausgeführt werden, sodass je nach Anforderung mehr oder weniger breitbandige Absorptionsflächen vorhanden sind und damit die Nachhallzeit reduziert werden kann. Auch besteht die Möglichkeit, Teile der strukturierten Wandoberflächen zu öffnen und dadurch ein dahinter liegendes Volumen an den Saal anzukoppeln, wodurch die Nachhallzeit angehoben werden kann.

    Die Decke besteht aus großen streifenförmigen Elementen die quer zur Hauptausrichtung des Saales die Decke strukturieren. Sie unterstützen den Direktschall indem sie mit Ihrer optimalen Neigung den Schall auch auf die weiter entfernten Publikumsplätze lenken.

    Damit die Nachhallzeit nicht von dem Besetzungszustand abhängig ist, wird das Gestühl hochabsorbierend ausgeführt. Damit wird sichergestellt, dass auch während der Proben das gewohnte akustische Umfeld gegeben ist.


    MULTIFUNKTIONSSAAL
    Um den Kirchenraum als Multifunktionssaal nutzen zu können, sieht der Entwurf eine Haus-in-Haus-Lösung vor. Hierfür sind in der Ebene der Stützenreihen um die eigene Achse schwenkbare, verfahrbare, farbige Glaswände vorgesehen, mit denen ein separates gläsernes Raumvolumen im Kirchenraum gebildet werden kann ohne den Bezug zum Kirchenraum zu verlieren. Das gläserne Raumvolumen beträgt (bei der im Präsentationsplan dargestellten Variante) ca. 1.750m³, womit im vollbesetzten Zustand (225 Personen inkl. Musiker) eine Volumenkennzahl von 7,8m³ pro Platz erreicht wird – ein für Kammermusik, Multifunktionsnutzung und Probenbetrieb geeigneter Wert. Den oberen „losen“ Abschluss der gläsernen Box bilden Akustiksegel, die variabel von der Decke abgesenkt werden können.

    Eine Variabilität der Nachhallzeit kann dadurch erreicht werden, dass die Vorder- und Rückseite der schwenkbaren Glaselemente akustisch unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Die Vorderseite ist glatt und damit schallreflektierend (konventionelle Glasoberfläche), wohingegen auf der Rückseite dünne, fein perforierte Acrylglasscheiben in einem Abstand von ca. 10cm vor der Glasscheibe angeordnet sind. Je nach Anforderung können die um 180° um die eigene Achse drehbaren Glaswände entweder mit der absorbierenden Fläche (kurze Nachhallzeit) oder mit der glatten reflektierenden Fläche zum Innenraum angeordnet werden. Eine weitere Verlängerung der Nachhallzeit ist möglich, indem die Wände nur um 90° gedreht werden und die Deckenreflektoren unter das Kirchendach gefahren werden. In diesem Fall verschwimmt das Glasvolumen mit dem angrenzende Kirchenraumvolumen, wodurch die lange Nachhallzeit der Kirche zum tragen kommt.

    Der besondere Reiz dieser Konstruktion liegt darin, dass ein separater Innenraum mit einer eigenen Akustik erzeugt werden kann und zugleich, durch das hohe Maß an Transparenz, der Kirchenraum erlebbar bleibt.


    TRAGWERKSKONZEPT

    Der zentrale Baukörper des Gebäudes und somit auch des Tragwerkes ist der Konzertsaal. Seine leicht geneigten Umfassungswände bilden einen polygonalen Ring und sind in Stahlbeton vorgesehen. Darauf sitzt ein mehrfach geknicktes Stahltragwerk in Form eines zweiachsigen Trägerrostes, der die äußere Kontur abbildet und dessen Bauhöhe entsprechend des Beanspruchungsverlaufes variiert. Durch die Ringwirkung der Sockelkonstruktion kann eine Schalenwirkung aktiviert und somit ein Teil der Lasten wirtschaftlich über Druckkräfte abgetragen werden.

    Der Rost trägt den oberen Raumabschluss in Form von Trapezblechen, auf denen Dämmung und Dichtung angebracht sind, sowie die Unterdecke mit allen technischen und akustischen Einbauten. Die abgestuften Tribünenkonstruktionen werden als gefaltete Flachdecken ausgebildet, die auf die Wände des Untergeschosses ablasten. Das Dach der angelagerten Foyer- und Erschließungszonen ist an die Umfassungswände des Konzertsaales angeschlossen und durch diese ausgesteift. Nach außen hin tragen schlanke Betonstützen die Deckenplatte. Der gesamte Baukörper ruht auf einem massiven Untergeschoss in Stahlbetonbauweise. Die Gründung erfolgt auf Einzel- und Streifenfundamenten, die mittels Magerbetonsäulen auf die Schichten des unverwitterten Festgesteines geführt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Ein skulpturaler Baukörper aus dunklem Basalt steht selbstbewusst neben der Marienkirche und formt mit dieser einen großzügigen Vorplatz und Eingang. Durch den großen Abstand der Baukörper behält der Kirchenbau Freiraum und Würde. Der Vorplatz ist zur Viktoriastraße geöffnet und erhöht; er wird über eine große Stufenanlage erschlossen, die sich über eine vielfältige Treppenanlage auch im Inneren des Foyers fortsetzt. Es entstehen reizvolle Raumeindrücke mit dem Nachteil einer eingeschränkten Barrierefreiheit. Der Eingang ins Foyer liegt an der richtigen Stelle; die baukörperliche Ausbildung ist allerdings sehr schwach. Die angelagerten Nebenräume sind hier zwar funktional richtig, stören aber Raumeindruck und Durchblick. Auch wird die Fassade zur Humboldtstraße zur Rückseite.
    Das Volumen des frei geformten Saals wird umschlossen von einem polygonalen eingeschossigen Gebäude - das Foyer umfließt so den Konzertsaal allseitig. Dieser sehr positive Effekt entspricht in hohem Maße dem Wunsch nach Offenheit und einer schönen Wegeführung innerhalb des Hauses mit hohen Aufenthaltsqualitäten. Allerdings wird er erkauft durch eine sehr komplizierte Verbindung von Anlieferung und Bühne über lange Gänge auf unterschiedlichen Niveaus im Untergeschoss. Zudem ist der Zugang für Besucher durch die offene Foyerausbildung nur schwer kontrollierbar. Die Fluchtwege sind teilweise zu lang; ein 2. Rettungsweg aus dem Saal ist durch das umlaufende Foyer so nicht gesichert.
    Die verteilte Gastronomie ist bezüglich Produktions- und Vorbereitungsflächen unzureichend ausgestattet.
    Anmutung und Ausformung des großen Saales sind sehr ansprechend. Die relativ zentrale Anordnung der Bühne und die unterschiedlichen Ebenen der Sitzbereiche fördern eine enge Beziehung zwischen Orchester und Publikum. Die Balkone müssten aber steiler sein. Auch die Zirkulation des Publikums auf unterschiedlichen Ebenen müsste im Saal und nicht im Foyer gelöst werden. Die Ausbildung der Decke ermöglicht keine Revision der Beleuchtung und Technik.
    Der Kirchenraum wird in ganzer Größe als Multifunktionsraum bespielt. Der Vorschlag der Abtrennbarkeit über mobile übergroße Glaswände wird im Grundsatz geschätzt, in der Machbarkeit aber angezweifelt. Die Abtrennbarkeit und Erschließung des kleinen Saales ist problematisch.
    Die Anordnung der Verwaltungsbereiche wird in 3 Varianten angeboten, wobei Variante 2 denkbar erscheint, allerdings nicht ganz überzeugen kann.
    Der Entwurf sieht eine kostenintensive Fassade aus dunklem Basalt und großen Glasflächen vor; dies signalisiert Kraft und Ausdruck. Zahlreiche Bauteile der Fassade sind asymmetrisch und teilweise geneigt, das große Dach des Saals kann eigentlich auch nur in Basalt ausgeführt werden, was insgesamt einen erhöhten Kostenaufwand verursachen würde. Die Einhaltung des Kostenrahmens erscheint ohnehin nur schwer erreichbar.
    Der Wettbewerbsbeitrag strebt den Passivhausstandard an und will die EnEV um 40 % unterschreiten. Der bauphysikalische Rahmen ist nicht betrachtet. Das Lüftungskonzept ist unzureichend (Kirche). Der Passivhausstandard würde bei dieser Gebäudegeometrie vermutlich nicht erreichbar sein.
    Insgesamt sind der skulpturale Ansatz und die Offenheit des Ensembles ein sehr guter Beitrag für ein lebendiges Musikzentrum der Stadt Bochum.