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  • 1. Preis

    Skizze

    Architekten
    HASCHER JEHLE Architektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Johannes Raible, Anna Szczurek

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Monnerjan Kast Walter Architekten, Düsseldorf (DE)

    Preisgeld
    44.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau und Architektur
    Der Entwurf für den Neubau erstreckt sich entlang der in Ost-West Richtung verlaufenden Erschließungsachse, die zum historischen Kloster führt. Der Gesamtkomplex gliedert sich in drei Baukörper: den U-förmige Neubau der KPP, den Neubau der Tagesklinik TK sowie den Altbaubestand von H19, der zur Psychiatrischen Institutsambulanz PIA umgenutzt wird. Die beiden 2- bzw 3-geschossigen, pavillionartigen Neubauten fügen sich durch ihre Gliederung und ihre maßvolle Höhenentwicklung behutsam in das Parkgelände ein und verzahnen sich mit dem Außenraum. Der wertvolle, teilweise sehr alte Baumbestand nördlich der Neubauten bleibt erhalten.

    Ein flacher, eingeschosiger Baukörper bindet in Verlängerung des 2012 fertiggestellten Bauteils die verschiedenen Nutzungsbereiche zusammen. Der flache, vorgelagerte Baukörper nimmt die zentrale Eingangshalle und die gemeinsamen Räume auf und erschließt alle Nutzungen auf direktem Wege. Der Flachbau verleiht dem Neubau ein maßstäbliches Erscheinungsbild. Der Haupteingang wird als Fuge zwischen Alt- und Neubau ausgebildet und durch ein auskragendes Vordach und durch die Aufweitung des Baukörpers im Eingangsbereich betont.
    Von der Eingangshalle ist eine Sichtbeziehung sowie ein Ausgang in das rückwärtig gelegene Parkgelände gegeben.

    Durch die Eingeschossigkeit im Eingangsbereich und die Normalität in der Gestaltung wird ein Bild der Selbstverständlichkeit erreicht, dass zum Abbau von Vorurteilen und Stigmatisierung beiträgt und einen niederschwelliger Zugang zum Gebäude gewährleistet.

    Der Gebäudebestand von H19 wird saniert und zur PIA umsrukturiert. Die Einbeziehung des Gebäudebestands in die Planung verspricht bei geringfügigen baulichen Eingriffen ein hohes Maß an Wirtschaftlichkeit.


    Bauphasen
    In der ersten Bauphase werden die 3 Akutstationen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie inklusive der gemeinsamen Räume und der Technikzentrale im Untergeschoss errichtet. Nach der Fertigstellung erfolgt der Umzug der Pflegestationen aus Haus 19. Die KPP wird über einen temporären Eingang erschlossen. Die beiden zu erhaltenen Altbauten werden an die neue Technikzentrale angeschlossen. Danach wird das nun nicht mehr genutzte Bauteil aus den 20er-Jahren abgerissen. Das Gebäude aus den 70er-Jahren und der kürzlich fertiggestellte Flachbau werden mit geringfügigen Eingriffen zur Psychiatrischen Institutsambulanz umgebaut und mit der neuen Eingangshalle an den Neubau der KPP angeschlossen. Durch den Anbau eines Erschließungskerns kann das 70er-Jahre Gebäude direkt erschlossen werden. Der zweite Fluchtweg ist auf diese Weise ebenfalls gegeben.
    Im einem dritten Bauabschnitt kann die Tagesklinik an der Stelle wo sich das Gebäude aus den 20er-Jahren befand errichtet werden. Die Tagesklinik schließt genau wie die beiden anderen Funktionsbereiche KPP und PIA direkt an die Eingangshalle an und kann in zentraler Position von beiden Funktionsbereichen mit genutzt werden. Alle Baumaßnahmen können unter Beibehaltung des laufenden Betriebs realisiert werden


    Erschließung
    Alle Nutzungsbereiche KPP, TK, PIA und die gemeinsamen Räume werden über einen gemeinsamen, offenen, lichtdurchfluteten Eingangsbereich auf kurzem und direkten Wege erschlossen. Die Eingangshalle ermöglicht eine leichte Orientierung und führt die Besucherströme selbsterklärend.

    Für die Patienten der Akutstationen mit längerer Aufenthaltsdauer wird ein separater Ein- und Ausgang auf der Gebäuderückseite vorgesehen. Eine kleine Terrasse im Park dient als Treffpunkt für die Patienten der Akutstationen. Die Patienten gelangen so auf direktem Wege von den Stationen ins Parkgelände des ZfP.

    Der Eingang für Liegend- Kranken- Transporte wird mit der Anlieferung kombiniert. Er wird im Untergeschoss positioniert und unter Ausnutzung der vorhandenen Topographie über eine kurze Rampe erschlossen. Hier werden auch die 5 Halteplätze für Krankenwagen, Polizei, Akutpatienten und ZfP-Fahrzeuge vorgesehen. Durch die Lage des Anlieferhofs werden die Patientenströme vom Versorgungsverkehr separiert. Der neue Eingangsbereich wird nicht beeinträchtigt. Die Kurzzeitstellplätze für Patienten der Ambulanz sind in der Nähe des Eingangs geplant.


    Psychiatrische Akutstationen
    Die Stationen der KPP sind U-förmig um einen Stützpunkt organisiert. Der Stützpunkt befindet sich im Zentrum der jeweiligen Station und kann alle wesentlichen Bereiche sowie den Eingang zur Station gut einsehen. Die Büroräume sind der Station vorgelagert. Alle Patientenzimmer sind Ost-West ausgerichtet und damit optimal belichtet und besonnt. Von allen Patientenzimmern ist eine Sichtbeziehung in die Parkanlage gegeben, was zu einer hohen Aufenthaltsqualität der Zimmer führt. Der geschlossene Bereich der Station befindet sich im westlichen Flügel des U-förmigen Baukörpers und ist über den Fahrstuhl direkt an die Liegend-Kranken-Vorfahrt angeschlossen. Die benachbarte Lage des Dienstzimmers ermöglicht eine gute Überwachung des geschlossenen Bereichs. Im Innenhof befindet sich ein kleiner geschützter Patientengarten als Freibereich für alle Patienten der geschlossenen Stationsbereiche. Die Pateienten der beiden Obergeschosse erhalten zusätzlich je einen kleinen Raucherbalkon.
    Um den Bewegungsradius der Patienten zu erweitern, werden die Räume der Ergo- und Bewegungstherapie so angeordnet, dass sie den Stationen zugeschaltet und nach Therapieschluss als Aufenthaltsbereich genutzt werden können.

    Der Wohnbereich der Stationen ist nach Süden zum Innenhof orientiert, die Therapieräume liegen nach Norden zur Parkanlage hin. Die Patienten der offenen Stationsbereiche erreichen die Parkanlage auf direktem Wege über das nördlich gelegene Treppenhaus.


    Patientenzimmer
    Die Patientenzimmer dienen als private Schlaf- und Rückzugsorte. Die verschiedenen Möblierungsvarianten zeigen die hohe Flexibilität der vorgeschlagenen Zimmergrundrisse auf. In den verschiedenen Varianten erhalten beide Patienten ein jeweils "eigenes Territorium". Sitznischen vor den Patientenzimmern dienen der Übung der sozialen Interaktion in verschiedenen Kontexten sowie der Kommunikation unter den Patienten. Alle Patientenzimmer sind bei Bedarf auch als Einzelzimmer nutzbar.

    Alle Patientenzimmer sind natürlich belüftbar und tagesbelichtet. Der flexible Sonnenschutz, die Beleuchhtung und die Belüftung sind von den Patienten regulierbar. Dies unterstützt die Wiedererlangung von sozialen und Alltagskompetenzen der Patienten. Vor den opaken Lüftungsklappen befinden sich vertikale Lammelen zum Schutz der Patienten.

    Die Fensterflächen der Patientenzimmer haben einen Flächenanteil von ca. 45 %, so dass der solare Energieeintrag, der durch den effizienten außenliegenden Sonnenschutz minimiert wird, in einem günstigen Verhältnis zur Tageslichtnutzung steht.


    Konstruktion und Materialien
    Die Konstruktion der Fenster ist als Holz-Alu-Konstruktion vorgesehen. Der Baustoff Holz bietet sich im Innenbereich nicht nur wegen seiner gestalterischen Qualität an, sonderner ist als CO2-Speicher und nachwachsender Rohstoff auch ökologisch sinnvoll. Die Fassade basiert auf einem Rastermaß von 1.25m.
    Sie wird vom Wechsel von offenen und geschlossenen Elementen bestimmt. Sonnenschutzelemente bereichern das Erscheinungsbild.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit dem Entwurf wird die Sprache des flachen vorgelagerten Baukörpers aufgegriffen und nach Westen bis zum Wirtschaftsgebäude geführt. Diese neue Spange bildet den Auftakt, den Haupteingang in das dreigliedrige Gebäudeensemble.
    Die drei Baukörper nehmen die geforderten Nutzungen sehr selbstverständlich auf.
    Der eingeschossige Flachbau bindet die in Höhe und Größe unterschiedlichen Bauvolumen gut zusammen. Es überzeugt die Zuordnung der Nutzungen - Krisenteam, PIA, Räume der Ergotherapie die einen guten funktionalen Ablauf erwarten lassen. Besonders erwähnt sei hierbei dass die Räume der Ergotherapie auf kürzestem Wege von Patienten der umliegenden Gebäude aufgesucht werden können, ohne in den übrigen Klinikbetrieb einzudringen.
    Die städtebauliche Figur bildet das Tagesklinik-Ambulanzzentrum beispielhaft ab und greift die Vorstellung des Nutzers nach einer zukunftsfähigen Integration der Bereiche im Sinne einer Sektorenüberschreitung auf. Die multiprofessionelle Arbeit der PIA wird durch die räumliche Zuordnung zu den Funktionstherapien gut möglich. Die Arbeit zeichnet sich durch einen sehr geringen Erschließungsflächenanteil aus, der einer Überprüfung bedarf. Die knappen Erschließungsflächen führen allerdings zu einer grenzwertigen Zugänglichkeit der Stationsbereiche. Die vorgeschlagenen Bauphasen stehen im Einklang mit den nutzerspezifischen Vorgaben und lassen eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten.
    Ein beispielhafter Vorschlag ist die Liegendkrankenanfahrt und Anlieferung mit kurzer direkter Anbindung der Stationen und geringster Beeinträchtigung des Gebäudeensembles.
    Die großzügig geöffneten Fassadenflächen führen zu einem lichtdurchfluteten Haus, welches die umgebende Parklandschaft selbstverständlich einbezieht.
    Der Entwurf zeichnet sich insgesamt durch die Angemessenheit der Mittel aus, die den Ort fast unauffällig besetzen und die Vorstellungen des Auslobers weitestgehend erfüllen.


INFO-BOX

Angelegt am 08.04.2014, 14:27
Zuletzt aktualisiert 02.10.2014, 15:51
Beitrags-ID 4-83217
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